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Die Streichinstrumente am Ende des 18.Jahrhunderts

Obwohl sich das Erscheinungsbild der Violine seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr grundlegend geändert hat, führten Wandlungen an die Klangerwartung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu wichtigen inneren Eingriffen am Instrument.

Schon vor der Zeit Mozarts wurden die tiefen Saiten, ursprünglich aus blankem Darm, mit Kupfer- oder Silberdraht umsponnen. Diese Saiten sind bei gleichem Gewicht wesentlich dünner und ermöglichen eine direktere Ansprache bei sonorerem Klang des ganzen Instruments.

Auch die Violinhaltung, bis dahin vor der Brust ohne Kinnkontakt, änderte sich: das Instrument lag nun auf der Schulter und wurde mit Hilfe des Kinns auf dem Geigenkorpus links vom Saitenhalter stabilisiert (L.Mozart,1756 / l'Abbé le Fils,1761), wenngleich noch ohne Kinnhalter oder Schulterstütze. Die neue Haltung ermöglichte dem Spieler die linke Hand freier in die hohen Lagen zu bewegen, so dass in Folge zunehmend längere Griffbretter montiert- und die Violinhälse (-griffe) schlanker geschnitten wurden.
Parallel entwickelte sich der barocke, nach außen gewölbte Bogen mit seiner langen, leichten Spitze zu einem neuen Bogenmodell,- einwärts gebogen und mit hammer- oder beilförmigem Kopf.

Die veränderte Gewichts- und Spannungsverteilung ermöglichte dem Spieler z.B. eine schärfere Attacke und eine gleichmäßigere Tongestaltung über die ganze Bogenlänge. Solche Neuerungen wurden während der ganzen Musikgeschichte durch reisende Musiker verbreitet und bekannt.

Die in unseren Aufnahmen gespielten Instrumente wurden im 18. Jahrhundert gebaut und haben eine für diese Zeit typische Einrichtung, heute "frühklassisch“ genannt. Sie besteht hauptsächlich in einem nur leicht schräg aufgesetzten, aber schlankeren Hals mit einem deutlich längeren Griffbrett als es zur Barockzeit üblich war, einem den Darmsaiten angemessenen, leichten Bassbalken und einem weiterentwickelten Steg, bei dem der tief liegende Schwerpunkt in Verbindung mit kurzen, kleinen Füßen die neuen klanglichen Möglichkeiten unterstützt. Die beiden oberen Saiten bestehen aus reinem Darm, die tiefen Saiten sind teilweise oder ganz umsponnen. Kombiniert mit einem sogenannten Cramer-Bogen (nach dem berühmten Geiger W. Cramer 1745-1799), der zwischen 1770 und 1790 sehr verbreitet war, kann uns ein solches Instrument bei unserer Suche nach dem Klang, wie er in Methodikbüchern von Geminiani (1751), Quantz (1752), Mozart (1756) und Tartini (1770) beschrieben steht und auch für die Violinsonaten von Amadeus Mozart angemessen ist, behilflich sein.

Tilman Muthesius im Juli 2000

 
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