| Im Schatten Beethovens | Ries |
Kölner Stadtanzeiger
07.04.2005 Drei große Namen repräsentieren die Wiener Klassik: Haydn, Mozart und Beethoven. Wer aber hat sie gefördert, engagiert, gespielt? Wer hat ihre Werke gekauft, wer war überhaupt im Stande, ihre Qualitäten zu erkennen? Zu Beethovens Wiener Umfeld, dem notwendigen "Humus“ für große Kunst gehörte Ignaz Schuppanzigh (1776 - 1830), Beethovens Geigenlehrer und Freund. Er hat Beethovens Streichquartette uraufgeführt, aber auch Musik von Haydn, Mozart und Schubert vorgestellt. Auf seinen Namen taufte sich 1996 das Schuppanzigh-Quartett um den Kölner Geiger Anton Steck. Es ließ die Streichinstrumente aus Beethovens Besitz in Bonn erklingen. Jetzt graben die Geiger Steck und Christoph Mayer, der neue Bratschist Christian Gooses und die Cellistin Antje Geusen Musik von Ferdinand Ries (1784 - 1838) aus, Beethovens Zeitgenossen, Klavierschüler und Biograph. Neuerdings entdeckt man wieder mehr Kompositionen von Ries. Er hat, wie Beethoven, bei Albrechtsberger studiert und Beethoven soll über Ries bemerkt haben: "Er kommt mir zu nahe“. Wie zum Beleg dafür spielte jetzt das Schuppanzigh Quartett in der Emmanuelkirche [Köln-Rondorf] Beethovens frühes Quartett op.18/2 neben Ries Quartett op.70/2, beide auf historischen Instrumenten und vital interpretiert. Da konnte man tatsächlich ähnliche Züge in den G-Dur Werken bemerken. Ries beginnt heiter und weiß Volksmusik produktiv zu beerben. Wie Beethoven hält er gern plötzlich inne und überrascht mit Schatten über der Musik.
Die originellere Entdeckung aber dürfte
Ries‘ f-Moll-Quartett
(ohne Opuszahl 48) werden, wenn erst die Interpretation gereift,
die Artikulation geklärt [...] ist. In Rondorf gaben die Musiker
ausdrücklich kein "fertiges“ Konzert, sondern
ließen, was sehr spannend ist, an einem Frühstadium
teilnehmen: „Das Werk wird heute quasi uraufgeführt“,
sagte Steck. Es wurde wohl seit 1820 nicht mehr aufgeführt.
Ob es den Zeitgenossen zu herb klang, zu dramatisch, zu experimentell
für die klassische Gattung Streichquartett, die Goethe als
ein "Gespräch unter vier vernünftigen Leuten“ charakterisiert
hat? Das Schuppanzigh-Quartett stellt Beethoven und Ries am Freitag
wieder in Köln vor [...]. |
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